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20.01.14 Wenn der Werkhof zum Atelier wird
"Die Kunstprojekt im Werkhof Finissage gleicht einem großen Happening. Der Raum ist riesig, die Temperaturen trotz Heizvorrichtungen eher kühl, für das Auge gibt es unterschiedlichste Kunst und für hungrige Mägen Risotto und Gegrilltes. Während eine ansehnliche Besucherschar diskutieren die ausgestellten Werke der sechs Kunstschaffenden begutachtet, sinkt auch bei Letztgenannten der Adrenalinspiegel. Wurde doch während dreier Tage der Steinbildhauerin Franziska Amherd aus Schalunen, dem Schrottkünstler René Baumberger aus Koppigen, der Kunstmalerin Naina Piplani aus Melchnau, den beiden Steinmosaikbrüdern René und Peter Stebler aus Bätterkinden sowie dem Motorsäge-Holzkünstler Raphael Tschachtli aus Kerzers bei den Work-in-progress-Arbeiten über die Schultern schaut.

Das Resultat sind meist schwergewichtigte Objekte aus Stein, Stahl und Holz. Das war auch der Grund, warum Patrick Galli, der Geschäftsführer der Bürki AG, auf die Idee kam, den geräumigen Werkhof den Kunstschaffenden zur Verfügung zu stellen. Notabene in der Vor- und Nachweihnachtszeit, in welcher in der Baubranche wenig läuft.

Zumal die Aussen- und Innenräumedes Werkhofes samt der dazugehörigen Infrastruktur ideal sind für grosse Werke, erläutert Galli.

Grosse Werke in Werkhalle

Am eindrücklichsten illustriert dies, nebst den vielen kleineren Schrottfiguren, der majestätischen 2,2 Meter hohe und 250 Kilo schwere Gockel aus Alteisen oder die riesige Hufeisenkugel. René Baumberger, der die Kunstschaffenden zusammengebracht hat, schweisste Gockel und Kugel aus unzähligen ausrangierten und selbstgesammelten Schrottteilen zusammen. Früher dienten die unterschiedlichen Gerätschaften Landwirten und Schmieden. Weil der Güggel auch das Wappentier von Koppigen ist, sähe der ehemalige Spengler- und Sanitärinstallatuer das Werk am liebsten auf einem Kreisel im Dorf.

Im wörtlichen Sinne großes Geschütz aufgefahren hat auch Raphael Tschachtli. Der gelernte Fortwart gestaltet mit seiner Motorsäge verschiedene Figuren der Tier- und Pflanzenwelt. Seine drei schwergewichtigen Ameisen aus Weihmutsföhre mit den ausladenden Fühlern ziehen nicht wenige Blicke auf sich. Genauso schwergewichtig wie in ihrer Schönheit berührend, ist die elipsenförmge und durchbrochende Sandsteinskulptur der Steinbildhauerin Franziska Amherd. Wie den anderen Künstlern kam auch ihr die Werkhofinfrastruktur, wie etwa der Kran für das Herumwuchten des 500 Kilogramm schweren Sandsteins, zugute.

Mit weniger Gewicht herumschlagen musste sich die junge Grafikerin und Kunstmalerin Naina Piplani. Dafür präsentiert sich ihr 5 Meter breites Gemälde farbenfroh und in der Pinselführung mutig dynamisch.

40 Kisten Steine

Auch wenn der Werkhof an einem normalen Arbeitstag anders genutzt wird, vermögen die Werkstoffe der Kunstschaffenden eine Brücke zur Bauunternehmung zu schaffen. Wie etwa die 40 Kisten Steine, welche die beiden pensionierten Lehrer und Brüder, René und Peter Stebler für ihre Mosaikbilder herangekarrt haben. Die unterschiedlich farbigen und teilweise selbstgesammelten Natursteine wie Schiefer, Kalksteine oder einfach Emmekiesel fügen sie zu einbetonierten Bildkompositionen zusammen. Ein allfälliger Erlös aus dem Verkauf werden sie einem Heim für Geistigbehinderte spenden. Ob die Besucher allerdings für die ausgestellten Werke die Geldbörse zücken werden, ist noch nicht entschieden."

Lilo Lévy-Moser, Berner Zeitung

 
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